Dienstantritt Bundeswehr

Jedes Jahr muss die Bundeswehr laut eigenen Angaben rund 20.000 Soldaten einstellen, um die Stärke der Truppe zu halten. 20.000 Soldaten warten jedes Jahr gespannt auf ihren Dienstantritt. Was genau erwartet dich als zukünftigen Kameraden? Wie kannst du dich am besten auf die ersten Tage bei deinem neuen Arbeitgeber vorbereiten? Was gilt es zu beachten?

Im Folgenden einige Tipps, die mir vor meinem Dienstantritt im Juli 2013, leider niemand verraten hat.

Vor dem Dienstantritt

Mental kannst du dich kaum auf den Dienstantritt vorbereiten. Du musst während der Grundausbildung nicht sonderlich viel denken, sondern lediglich das tun, was dir gesagt wird. Hilfreich ist es, ab und zu Hirn und Verstand auszuschalten und Befehle einfach auszuführen. Du darfst dir gern über die Sinnhaftigkeit mancher Befehle Gedanken machen, behalte diese aber lieber für dich ;D
Motivation, die Grundausbildung durchzuziehen und ein wenig Vorfreude sind da eine gute Grundlage!

Was jedoch wirklich Sinn macht ist, dass du dich physisch vorbereitest. Damit meine ich nicht stundenlanges Gewichtestemmen im Fitnessstudio! Eine gewisse Grundfitness ist vorteilhaft, mindestens genauso wichtig ist aber deine Kondition. Binde in dein Trainingsprogramm im Fitnessstudio auf jeden Fall den Nacken mit ein! Das Gewicht des Helmes habe auch ich unterschätzt. Die ersten Stunden mit Helm auf dem Kopf hatten einen ordentlichen Muskelkater zur Folge. Gehe regelmäßig laufen und versuche auch mal mit einem Rucksack (Gewicht 10 kg) zu marschieren. Das musst du nicht exzessiv trainieren, wenn der erste Marsch beim Bund kein absolutes Neuland ist, hilft das schon.

Dienstantritt – Der Einberufungsbescheid

Sobald du die Einstellungstests erfolgreich hinter dich gebracht hast, steht dem Dienstantritt nichts mehr im Wege. Erste Informationen erhältst du per Post im sogenannten Einberufungsbescheid. Hier ist zwar nicht davon die Rede, wie du dich am besten auf die ersten Wochen vorbereitest, allerdings liegt eine Liste bei mit Dingen, die du mitzubringen hast.
Dazu gehören:
  • Der Einberufungsbescheid
  • Personalausweis
  • Impfbuch
  • Nachweis der Sozialversicherungsnummer
  • den Gutschein zum Lösen eines Bahn-Tickets, egal ob dieser genutzt wurde oder nicht
  • Bankverbindung
  • falls vorhanden: Nachweis über Pflegepflicht- / Anwartschaftsversicherung (weiter unten genauer beschrieben)

Dies sind die wichtigsten Dinge! Wenn Unterlagen fehlen, kann schon der erste Tag als Soldat lang werden. Die Bankverbindung wird benötigt, um dir für den ersten Monat einen Abschlag zu zahlen, also ein anteiliges erstes Gehalt. Der Rest wird nach Festlegung der entsprechenden Steuerklasse natürlich nachgezahlt. Die Bundeswehr zahlt das Gehalt am Monatsanfang, nicht wie die meisten Arbeitgeber am Monatsende.

Was du ebenfalls benötigst für die ersten Tage: Eine Menge Geduld!
Du wirst unzählige Formulare mit Belehrungen ausfüllen und jede Menge Zeit mit Warten verbringen. Sollte mal die Örtlichkeit gewechselt werden, dann selbstverständlich im Laufschritt! Nicht umsonst gibt es den bei der Bundeswehr bekannten Spruch:

“ Rotieren um zu warten, warten um zu rotieren“.

Nimm dir für die ersten Tage einen großen Vorrat an Snacks mit. Deine Kameraden werden dich beneiden, wenn du zwischendurch einen Schokoriegel aus der Tasche ziehst. ;D In den ersten Tagen hast du außerdem wahrscheinlich keine Zeit, nach Dienst einen Supermarkt aufzusuchen. Zwar verpflegst du in der Truppenküche, Abendessen um 16:45 Uhr ist aber zunächst gewöhnungsbedürftig, sodass sich dein Magen am Abend noch ein mal melden wird.

Was außerdem hilfreich ist

  • Rasierer! (für Männer – da du dich täglich morgens rasieren musst, unbedingt mitnehmen! Andernfalls musst du überteuert einen Rasierer im Mannschaftsheim kaufen)
  • Ohropax (bei vier bis sechs Kameraden auf Stube ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mindestens einer von denen schnarcht)
  • private Sportschuhe (in den meisten Einheiten dürfen private Schuhe im Dienstsport getragen werden. Gerade die dienstlich gelieferten Hallenschuhe sind kein Vergnügen)
  • weiße Socken (die dienstlich gelieferten Sportsocken sind für eine Woche nicht ausreichend und auch nicht von höchstem Tragekomfort)
  • Spindschlösser!!! (Hier benötigt ihr drei Schlösser für die Spinde von außen in der gängigen Größe. Für das kleine Privatfach empfehle ich ein kleines Zahlenschloss)

Tipp: Tausche den Ersatzschlüssel mit einem Stubenkameraden, falls der Schlüssel verloren geht oder du ihn zu Hause vergisst)

Nun zum letzten Punkt, welchen Soldaten zu Beginn gern unterschätzen:

Pflegepflichtversicherung

In deinem Einberufungsbescheid ist vermerkt, dass du dich als Soldat selber pflegeversichern musst. Damit sollst du jedoch vorerst warten, weil die Bundeswehr dich diesbezüglich noch aufklären möchte. Diese Aufklärung erfolgt leider in absolut unzureichendem Umfang! Nach den ersten Wochen fordert euer Personal-Feldwebel euch dann auf, bitte den Nachweis für die Pflegepflichtversicherung vorzulegen. Sonst droht eine Strafzahlung von 2.500€. Da du in den ersten Wochen genug andere Dinge um die Ohren hast macht es Sinn, sich schon vor dem Dienstantritt über das Thema ausführlich zu informieren!
Mehr zum Thema Pflegepflicht / Anwartschaft ließt hier: -> Pflegepflicht und Anwartschaft
Henry Werner
Henry Werner
soldatenberatung@henrywerner.de

Mein Name: Henry Werner. Ich bin 1994 in Cottbus geboren, wo ich bis heute lebe. Im Alter von 18 Jahren bin ich nach dem Abitur direkt in die Laufbahn der Offiziere bei der Bundeswehr eingestiegen und studierte dort Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. Mein Ziel für die Zukunft ist es, jedermann eine gute, unabhängige Beratung zu bieten.