Die Krise, die niemals endet

Unabhängig davon, wie sehr Sie sich für die Themen Wirtschaftskrise und Vorsorge interessieren, im Gefühl hat es fast jeder von Ihnen: Irgendetwas brodelt sich da zusammen, über den Börsen unserer Welt. Nicht nur über New York, das Problem ist ein globales. Was genau hinter diesem Bauchgefühl steckt und wie drastisch die Probleme wirklich sind, erkläre ich in diesem Beitrag. Seien Sie gespannt!

Warum Vorsorge immer wichtiger wird

In den Medien hört man es immer wieder: Private Vorsorge für das Alter ist wichtiger denn je. Was gilt es, in Zeiten der Finanzkrise, bei der Vorsorge zu beachten? Schon heute leben viele Rentner in Altersarmut und der Trend ist deutlich: In den kommenden Jahren wird der Staat viele Milliarden zusätzlich in die Renten-Töpfe pumpen müssen. Die Lebenserwartung steigt aufgrund fortschreitender medizinischer Technik stetig an. Die Zahl der Geburten war selten geringer. So kommt es, dass immer weniger junge Menschen immer mehr Rentner „finanzieren“ müssen. Das System „Jung für Alt“ hat längst versagt. Das Renteneintrittsalter soll, nur 5 Jahre nach der letzten Erhöhung, auf 70 angehoben werden. Im Jahr 2030, so schätzen Statistiker, wird jeder Beitragszahler in die gesetzliche Rentenversicherung seinen „persönlichen Rentner“ finanzieren.

Das durchschnittliche Bruttogehalt in Deutschland beträgt rund 3.800 €. Davon werden 635€ in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt.  Keine Frage: Für einen Menschen reicht das nicht zum Leben. Schon gar nicht finanziert es das „Rentnerleben“, welches man sich nach über 45 Jahren Arbeit vorstellt.

Es führt also kein Weg an der privaten Altersvorsorge vorbei. In welche Produkte lohnt es sich zu investieren? Es gibt einige Fakten, die Sie wissen sollten, bevor Sie ihr Geld anlegen.

Wie arbeiten unsere Banken? Wie funktioniert unser Geldsystem? Was ist Inflation? Ist Deutschland wirklich der Gewinner der Finanzkrise?

Sie entscheiden, wie Sie Ihr Geld anlegen. Ihnen die eben genannten Fragen erst zu stellen und zu beantworten halte ich nur für fair. Ich sehe es als meine Berufung Sie aufzuklären, was in unserer Finanzpolitik falsch läuft. Denn am Ende sind immer Sie die- oder derjenige, die /der für die fatalen Fehler der Politik „bezahlt“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie müssen verstehen, was gerade vor Ihren Augen passiert. Und dann die nötigen Schlüsse daraus ziehen!

Ein Berater-Kollege meinte einmal zu mir: „In unserer Finanzwelt ist es wie im Film „Die Matrix“. Du hast ein rote und eine blaue Pille. Entweder du schluckst die rote Pille und vergisst alles oder du entscheidest dich für die Blaue und erfährst die Wahrheit.“

Das Schuldgeldsystem

Das Jahr 1970 – Amerika: Hier war der Dollar noch etwas wert! Es gab den so genannten „Goldstandard“. Das bedeutet, dass die Währung entweder aus Goldmünzen besteht, oder aus Banknoten, die jederzeit gegen Gold eingetauscht werden können. Der 15. August 1971 ging in die Geschichtsbücher ein. Richard Nixon, damaliger US-Präsident, beendete in einer Fernsehansprache den Goldstandard mit folgenden Worten: „Ich habe Finanzminister John Connally angewiesen, die Konvertibilität des Dollar in Gold vorübergehend auszusetzen.“ Von diesem Zeitpunkt an verlor der Dollar bis heute 83% an Wert.¹

Das Vertrauen in den Goldstandard war jedoch schon eher gebrochen. So schickte Charles de Gaulle ein Schiff der französischen Marineflotte nach New York, um Gold abzuholen und gegen Dollar zu tauschen. Was definiert seit Abschaffung des Standards, was unser Geld wirklich wert ist? Es ist lediglich der Glaube an den Wert des Geldes. Nichts Anderes gibt einem (wenn auch aufwendig) bedrucktem Stück Papier seinen Wert. Alle ungedeckten Papiergeldsysteme sind bisher ausnahmslos gescheitert. Unser System ist auf exponentielles Wachstum ausgelegt. Die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen sind jedoch begrenzt!

Die Krise, die niemals endet

Noch NIE war so viel Geld in Umlauf wie heute. (dieser Satz ist immer TAGESAKATUELL!)

Die Geldmenge hat keinerlei realwirtschaftlichen Bezug mehr. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis all das Geld, welches um unseren Globus schwirrt, auf die Realwirtschaft herunterprasselt.

Es gibt einen ganz entscheidenden Faktor, welcher die Menschheit in immer größere Krisen treibt: Die Gier!

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfniss, aber nicht für jedermanns Gier. – Mahatma Gandhi

Zusätzlich sorgen Fehlentscheidungen in der Finanzpolitik dafür, dass der Gier kein Einhalt geboten wird, im Gegenteil. Seitdem versucht wird, ins Stocken geratene Konjunkturen mit niedrigen Zinsen wieder Aufschwung zu verleihen, wird die Welt mit billigem Geld überschwemmt. Für die immensen Geldsummen gibt es in der Realwirtschaft, also auf dem Markt realer Güter und Dienstleistung, nicht genügend Anlageformen. Die niedrigen Zinsen auf Sparbüchern und Festgeldkonten sorgen ebenfalls für ein sehr eingeschränktes Angebot an Möglichkeiten der Geldanlage. So entstehen in immer kürzeren Abständen immer größere Spekulationsblasen.

Was ist eine Spekulationsblase?

1637 – Die erste Spekulationsblase

Die erste Spekulationsblase platzte in den Niederlanden im Jahr 1637. Tulpen waren aufgrund ihrer prächtigen Farben und ihrer Seltenheit extrem begehrt. Sie waren nur etwas für gut Betuchte. So kamen weniger reiche Leute auf die Idee, Tulpenzwiebeln zu erwerben und die daraus wachsenden Tulpen mit Gewinn zu verkaufen. Menschen investierten ihr letztes Geld, um Tulpenzwiebeln zu kaufen. Durch die steigende Nachfrage stieg der Preis weiter an, bis in ungeahnte Höhen. Einem Gerücht zufolge verkaufte ein Holländer sein Haus für drei dieser Zwiebeln. Auf heutige Verhältnisse bezogen hatte eine Zwiebel einen Wert von bis zu 25.000€! Zu diesen Preisen wollte niemand mehr Zwiebeln kaufen. Besitzern kam die Angst, ihr gesamtes Hab und Gut zu verlieren, da sie keinen Käufer mehr finden konnten. Sie Verkauften die Tulpenzwiebeln mit großem Verlust. Das Angebot am Markt stieg, die Preise gerieten in eine rasante Abwärtsspirale. Die Spekulationsblase war geplatzt.

Spekulationsblasen heute

Ähnlich ist es auch heute. Die Alternativlosigkeit zu anderen Anlagen lässt immer mehr Menschen in Immobilien investieren. Mit steigender Nachfrage steigen die Preise. Und trotz der hohen Preise kaufen die Menschen weiter Immobilien, weil es einfach zu wenig Alternativen gibt. Bis die ersten beginnen, ihre total über realem Wert gehandelten Immobilien zu verkaufen. Das Angebot am Markt steigt wieder – die Preise sinken. Natürlich ist nicht der gesamte Immobilienmarkt eine riesige Blase. Hier spielt die Lage des Objektes eine entscheidende Rolle. Aber dieses Risiko gilt es zu beachten. Auch der Aktienmarkt entwickelt sich zunehmend zu einer Blase. Immer mehr Anleger investieren in Aktien, weil sie keine Alternativen sehen. Die Börse ist aufgeblähter als zu Beginn der Krise 2008. Das DAX-Jahreshoch in diesem Jahr betrug knapp 8.046 Punkte. Der Höchststand 2017 (Stand 11.03.17) betrug gut 12.067 Punkte. Ein Indiz dafür, dass aus den Ereignissen 2008 keine (erfolgreichen) Schlüsse gezogen wurden.

Nachdem 2008 die Immobilienblase platze und die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, war der erste Höhepunkt der Krise erreicht. Nur mit größten Mühen konnte die Politik einen Bankensturm verhindern. Sie erinnern sich an die Worte von Frau Merkel, die Spareinlagen der Deutschen seien sicher.

Was sich seit 2008 geändert hat

Doch was hat man seitdem getan, um erneute Bankenpleiten zu verhindern? Wurde der Zins wieder angehoben? Nein, im Gegenteil! Täglich wird die Welt mit billigem Geld geflutet. Auf jeden Dollar, der weltweit für Waren oder Dienstleistungen ausgegeben wird, kommen geschätzt 70 Dollar, die in Form reiner Finanzanlagen zirkulieren.²

Die Realwirtschaft steht in keinem Verhältnis mehr zu der aufgeblähten Finanzwirtschaft der Geldinstitute.

Die Politik hat infolge der Ereignisse 2008 ursprünglich ein Abkommen (BASEL IIII-Abkommen) vorgesehen, um Banken zu regulieren. So sollte die Eigenkapitalquote der Banken deutlich erhöht werden, um für Stabilität zu sorgen. Banken sollten nicht mehr auf Milliarden schwere Staatshilfen angewiesen sein. Dass das eine notwendige Maßnahme ist beweist der Fakt, dass die EU von 2008 bis 2016 über 5 Billionen Euro in Bankenrettungen gesteckt hat.³ Von dem Geld hätte man den Deutschen Rentnern über den gesamten Zeitraum von 8 Jahren die doppelten Renten  zahlen können. Oder man könnte die 30 größten deutschen Unternehmen an der Börse über 4 Mal komplett aufkaufen, inklusive BASF, adidas und Telekom.

Leider ist die Finanzlobby die stärkste der Welt. So argumentierten die Chefs der Banken, dass eine höhere Eigenkapitalquote dafür Sorge, dass weniger Kredite an die Realwirtschaft vergeben werden können. Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze seien stark gefährdet. Es gelang, das eigentlich so wichtige Abkommen, herunterzuspielen. Bedauerliches Ziel des Abkommens: Eine Erhöhung des Eigenkapitals auf 7 Prozent, zu erreichen bis 2019.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte im letzten Quartal 2014 eine Eigenkapitalquote von 3,9%. Das ist weniger als die 2008 pleite gegangene Bank Lehman Brothers.

Wollen Sie als Privatperson einen Kredit bei ihrer Bank haben, müssen Sie Eigenkapital von meist 20% einbringen. Die Bank braucht ja „Sicherheiten“…

Eine weitere Reaktion auf die Bankenkrise 2008: Die Einführung eines „Banken-Stresstests“. Der französisch-belgische Bankkonzern Dexia gewann den Test 2011 und bekam den Titel „Sicherste Bank Europas“ verliehen. Drei Monate später wurde der Konzern mit 90 Milliarden Euro gerettet.

Verlierern des Tests im Jahr 2010 wurde eine Finanzlücke von gut 2 Milliarden Euro vorhergesagt. Die tatsächliche Lücke belief sich auf das 150-fache! (300 Milliarden Euro!)

Fazit:

Auch nach 2008 trifft die Politik Fehlentscheidungen am laufenden Band. Die Krise ist nicht vorbei. Der große Kollaps wird lediglich immer weiter hinausgezögert.

Fortsetzung folgt…

Der Mensch lernt aus seinen Fehlern nicht! Henry Werner 

¹  Matthias Weik & Marc Friedrich, Der Crash ist die Lösung, S.166

²  Matthias Weik & Marc Friedrich, Der Crash ist die Lösung, S.25

³  https://www.die-linke.de/politik/themen/detail/browse/8/zurueck/axel-troost-die-kolumne/artikel/europaeische-bankenrettung-spd-politik-und-die-linke-alternative/

Henry Werner
Henry Werner
soldatenberatung@henrywerner.de

Mein Name: Henry Werner. Ich bin 1994 in Cottbus geboren, wo ich bis heute lebe. Im Alter von 18 Jahren bin ich nach dem Abitur direkt in die Laufbahn der Offiziere bei der Bundeswehr eingestiegen und studierte dort Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. Mein Ziel für die Zukunft ist es, jedermann eine gute, unabhängige Beratung zu bieten.